Wie macht man in Deutschland effektiven Online-Wahlkampf im Jahr 1 nach Obama?

Bündnis 90 / DIE GRÜNEN hatten im Superwahljahr 2009 einen Ruf zu verlieren. Den Ruf als Partei die bis dato am stärksten und aktivsten auf den digitalen Kanälen vertreten war. Es galt, die Lücken zu schließen, die die anderen Parteien in ihrem Online-Aktionismus klaffen ließen und die für diesen Kulturkreis passenden Partizipationsangebote zu schaffen. Partner der Wahl war ressourcenmangel und das gemeinsame Vorhaben lautete:

Wir werden den besten und effektivsten Online-Wahlkampf führen. Mit einem Ergebnis von 10% der Wählerstimmen am 27. September 2009.

Einfache, verständliche und begeisternde Angebote und Kommunikationsanlässe auf allen Kanälen

Das sollte der Online-Wahlkampf leisten:

  • In der Parteienlandschaft einzigartige, menschenlesbare und verständliche Inhalte zur Partei sowie zu Zielen, Abgeordneten und dem Großen und Ganzen
  • Eine Plattform für reelle, nicht vorselektierte Teilnahme mit persönlicher und lokaler Relevanz für die Bürgerinnen und Bürger
  • Präsenz von Kandidaten, Abgeordneten und Mitgliedern überall dort, wo der digitale Raum die direkte Kommunikation zulässt

Vom Interessierten zum Involvierten
zum Unterstützer zum Wähler

Konzeptionelle Basis war die informative und gleichsam unterhaltende Kampagnenwebsite. Hier sollten Interessierte zu Involvierten werden, zu Unterstützern und schließlich zu Wählern. Die Profilierung der Kontakte erfolgte über verschiedenene aufeinander abgestimmte Stufen der Partizipation. Für den 72-Stunden-Wahlkampf schließlich wurde ein Feuerwerk an On- und Offline-Events zur unmittelbaren Aktivierung und Mobilisierung orchestriert.

www.gruene.de

www.gruene.de wurde zum Online-Magazin der Partei. Gepflegt und verwaltet druch eine von ressourcenmangel eigens zu diesem Zweck eingerichtete Redaktion, die tagesaktuell auf Meldungen und Stimmungen reagieren konnte, die vor allem aber auch selbst Themen setzen und auf die politische Agenda bringen konnte. Ziel der Seite war es außerdem, auch über den Wahlkampf hinaus zur neuen Online-Heimat der Partei zu werden.

Szenen einer Ehe

Angelehnt an Loriots gleichnamige Serie hat ressourcenmangel in der heißen Phase des Bundestagswahlkampfs eine Adaption mit Angela Merkel und Guido Westerwelle in den Hauptrollen lanciert. Das Video fand eine breite Öffentlichkeit und wurde von verschiedenen Fachmedien zu den kreativsten Maßnahmen des Wahlkampfs gezählt. Der prophetische Charakter der Szenerie offenbarte sich jedoch erst im Anschluss daran.

3 Tage wach

Der Online-Wahlkampf fand seinen Höhepunkt in den letzten 72 Stunden vor der Wahl. Die Bundesgeschäftsstelle der Partei in Berlin und viele weitere Parteizentralen wurden deutschlandweit zu offenen Diskussionsräumen. Auf allen Kanälen konnten Interessierte ihre Fragen und Anmerkungen gegenüber der Partei äußern und erhielten innerhalb kurzer Zeit ihre Antworten. Das Rahmenprogramm bildeten Interviews mit Gästen und Kandidaten und die unterhaltsamen Einlagen der Moderatoren.

Im Oktober 2010 erhielt ressourcenmangel für 3 Tage wach den silbernen DMMA OnlineStar 2010 in der Kategorie Integrierte Kampagne.

Mehr als Zahlen und Fakten

Bündnis 90 / DIE GRÜNEN haben am 27. Sepember mit 10,7% und mehr als 4 Mio. Wählerstimmen Ihr quantitatives Wahlziel erreicht. Mit der Art und Weise der inhaltlichen Aufbereitung der Wahlthemen und dem Grad der Partizipation der Bürger wurden Maßstäbe für die kommenden Wahlkämpfe gesetzt.

Und das sagt die Presse zum Online-Wahlkampf von Bündnis 90/DIE GRÜNEN

"Grüne setzen Web-Maßstäbe" – Meedia, 20.03.2009

"Platz 1 holten sich die Grünen" – Computer BILD, 14.09.2009